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28. AE-Kongress vom 18.06.2026 bis 19.06.2026 in München

10. Juni 2026 | Pressemeldung Ambulantisierung, Fachkräftemangel und Digitalisierung verändern die Endoprothetik

Für guten Gelenkersatz möglichst lückenlose Behandlungskette sicherstellen

Freiburg/München, Juni 2026 – Wer heute ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk erhält, bleibt oft nur noch wenige Tage im Krankenhaus. Zugleich schreiten Ambulantisierung und Fachkräftemangel voran. Dabei wächst das Risiko, dass zwischen Klinikentlassung, häuslicher Übergangsphase, Physiotherapie, Rehabilitation und Nachsorge Behandlungslücken entstehen. Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. fordert deshalb ein gesamtheitliches Denken des Versorgungsprozesses: Der Behandlungspfad soll bereits ab der Operationsindikation weitestmöglich lückenlos geplant werden – gestützt auf verbindliche Leitplanken und funktionelle Zielparameter etwa zu Gehstrecken, Belastbarkeit und Selbstständigkeit im Alltag. Auf ihrem 28. Jahreskongress vom 18. bis 19. Juni 2026 in München kündigt die Fachgesellschaft dafür die Gründung eines neuen Komitees für Prä- und Rehabilitation sowie Wearables an.

Mehr als 410.000 Hüft- und Knieeingriffe wurden 2024 im Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) dokumentiert. Damit gehört der Gelenkersatz zu den häufigsten Operationen im Land. Während die Abläufe im Krankenhaus heute meist gut standardisiert sind, weist ein wachsender Teil der Versorgung in der Zeit davor und danach Lücken auf. Zudem gilt es, weitere Optimierungspotenziale in den Abläufen vor und nach dem Eingriff zu heben. „Denn ein Gelenkersatz ist kein isolierter Eingriff, sondern Teil eines längeren Behandlungsprozesses“, sagt Professor Dr. med. Rüdiger von Eisenhart-Rothe, Präsident der AE und Direktor der Klinik für Orthopädie und Sportorthopädie am TUM Klinikum Rechts der Isar.

Endoprothetik darf nicht beim Operationssaal enden

„Die Endoprothetik der Zukunft muss nicht nur operativ gut sein. Sie muss den gesamten Weg der Patientinnen und Patienten vorausschauend organisieren“, so der Orthopäde und Unfallchirurg. „Der Behandlungspfad beginnt mit der Indikationsstellung und sollte bis zur Rückkehr in Alltag und Beruf gedacht werden.“ Dazu gehöre zum Beispiel, schon bei der Entscheidung für eine Operation mitzudenken, welche Unterstützung vor der Aufnahme, nach der Entlassung und bis zum Beginn der Rehabilitation nötig ist.

Der Behandlungspfad beginnt bei der Operationsentscheidung

So gilt es, frühzeitig Fragen zu klären, etwa: „Warum ist die Operation notwendig? Welche Erwartungen sind realistisch? Welche Begleiterkrankungen, Schmerzen, Unsicherheiten oder Sturzrisiken müssen berücksichtigt werden? Wie ist die häusliche Situation? Und welche Unterstützung braucht die Patientin oder der Patient in den ersten Tagen nach der Entlassung?“, sagt er.

Dazu gehört auch, die Zeit nach dem Klinikaufenthalt konkret vorzubereiten. Nach einer Operation sind Patientinnen und Patienten zwar medizinisch stabil, aber häufig noch eingeschränkt: Wunden müssen heilen, Schwellungen gehen zurück, Beweglichkeit und Belastbarkeit bauen sich erst schrittweise auf. Gleichzeitig beginnt die Anschlussrehabilitation nicht immer unmittelbar. Dadurch können mitunter Tage bis Wochen ohne klar strukturierte Betreuung entstehen. Deshalb sollten etwa Physiotherapie-Termine angestoßen, Hilfsmittel organisiert, das häusliche Umfeld einbezogen und Patientinnen und Patienten informiert werden, an wen sie sich bei Schmerzen, Schwellung, Wundproblemen oder Unsicherheit wenden können.

„Wer gut vorbereitet in die Operation geht, kann danach oft sicherer mobilisiert werden“, sagt von Eisenhart-Rothe. „Vorbereitung ist deshalb kein Zusatzangebot, sondern ein wichtiger Bestandteil moderner Endoprothetik.“

Auf die Ambulantisierung vorbereiten

Mit der fortschreitenden Ambulantisierung wächst der Bedarf an solchen durchgängigen Konzepten. Immer mehr Leistungen werden außerhalb der Klinik erbracht, während gleichzeitig Personal in allen Versorgungsbereichen knapp ist. „Wenn der stationäre Aufenthalt kürzer wird, muss die Versorgung davor und danach umso besser organisiert sein“, sagt von Eisenhart-Rothe. „Sonst entstehen genau die Lücken, die wir vermeiden wollen.“

Neues Komitee soll Leitplanken für den gesamten Behandlungspfad entwickeln

Hier setzt das neue AE-Komitee an. Es soll systematisch Empfehlungen für einen möglichst lückenlosen Behandlungspfad vor und nach dem stationären Aufenthalt entwickeln: die Vorbereitung vor der Operation (Prähabilitation, Präedukation), den Weg nach der stationären Entlassung sowie die häusliche Übergangsphase bis zur Rehabilitation und Nachsorge. Geplant sind unter anderem klar definierte funktionelle Zielwerte sowie eine bessere Abstimmung zwischen Klinik, ambulanter Versorgung, Physiotherapie und Rehabilitation.

Auch digitale Anwendungen sollen künftig eine größere Rolle spielen. Wearables könnten helfen, Mobilität, Belastung oder Fortschritte objektiver zu erfassen – vorausgesetzt, ihr Nutzen ist wissenschaftlich belegt, es gibt belastbare Parameter und sie sind sinnvoll in die Versorgung integriert.

„Ambulantisierung, Fachkräftemangel und Digitalisierung verändern die Endoprothetik“, sagt von Eisenhart-Rothe. „Unsere Aufgabe ist es, diese Entwicklungen so zu verbinden, dass Patientinnen und Patienten entlang des gesamten Behandlungspfades sicher begleitet werden.“

Moderne Behandlungskonzepte und die Frage, wie sich Versorgung rund um Gelenkersatz künftig besser strukturieren lässt, sind Gegenstand der Online-Pressekonferenz der AE am 16. Juni 2026 von 11:00 bis 12:00 Uhr. Der 28. AE-Kongress findet vom 18.06.2026 bis 19.06.2026 in München statt.

Quellen

https://www.eprd.de/fileadmin/user_upload/Dateien/Publikationen/Berichte/Jahresbericht2024-Status5_2024-10-22_F.pdf

Pressekontakt

Dr. Adelheid Liebendörfer
Pressestelle der AE – Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik e. V.
Tel.: 0711 8931 173
E-Mail: liebendoerfer@medizinkommunikation.org
Web: www.ae-germany.com
+++ 28. AE-Kongress: 18.06.2026 bis 19.06.2026 in München: „Erfahrung als Fundament. Innovation als Auftrag.“ +++